Wintertief

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Es ist Dienstag, 06:30 Uhr am Morgen. Zu spät dran, so wie eigentlich immer, eile ich zur Bahn. Es ist kalt, 3 Grad vielleicht. Und dunkel. Keine Chance wach zu werden. Ich bin warm angezogen; „Was willst du denn anziehen, wenn der Winter wirklich kommt?“ – die Frage höre ich oft. Ja, das frage ich mich auch.

Die Wärme, der Sonnenschein, die Unbeschwertheit. All‘ das fehlt mir in der dunklen Jahreszeit. 

Im Laufe des Tages hängen dicke Wolken schwer und tief am Himmel. Das Tief, das dieses Wetter mit sich bringt, liegt förmlich in der Luft; zum greifen nahe. Der Hörsaal ist dunkel und die Motivation für den Rest des Tages fehlt mir. Die Konzentration ist mir längst entglitten. Die Köpfe der anderen sind gesenkt, die Zeit scheint still zu stehen

Wann fängt der Frühling an?, frage ich mich und beginne in meinem Kalender zu blättern. Viele Seiten und viele Wochen später komme ich zu dem Entschluss, dass der Winter noch viel zu lange dauern wird. Aber so kann es doch nicht bleiben!, denke ich mir.
Irgendwie muss ich mich aufraffen, motivieren! Mich warm anziehen, mein Gesicht in die kalte Luft halten, mir die Hände wärmen. An Tee, vielleicht Glühwein. An anderen Händen. Denn im Winter gibt es doch eigentlich so viel mehr als graue Wolken und dunkle Tage. Oder?

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Ich schaue aus dem Fenster. Langsam fallen kleine weiße Flocken vom Himmel. Erst ein zwei kleine Punkte, kaum sichtbar. Dann immer mehr. Weiße Flocken. Einige Zeit später schaue ich immer noch aus dem Fenster, ich weiß nicht wie viel Zeit schon vergangen ist. Aber ich kann meinen Blick nicht abwenden. Langsam aber sicher überzieht der Schnee die Welt mit seinem weißen Schimmer. Ich gehe raus, und der weiße Untergrund knirscht unter meinen Stiefeln. Auf ein mal laufe ich durch eine völlig andere Welt. Schneebälle fliegen durch die Luft. Die Wege sind mit Leuten gefüllt, die sich unterhaken, um gemeinsam durch den Schnee zu wandern.

Ich komme nicht umhin mich zu fragen, ob uns vielleicht die Menschen, mit denen wir uns umgeben,  durch den dunklen Winter begleiten. Den Sonnenschein in Form eines Lächelns zurück ins Leben bringen. Und uns mit Freude überziehen, unsere Gesichter erhellen, so wie der Schnee die Straßen. Und während ich so darüber nachdenke durchströmt mich ein warmer Schauer und ein Lächeln erhellt mein Gesicht; zum ersten Mal an diesem Tag friere ich nicht.

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